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Straße von Hormus: Öl- und LNG-Transporte trotz iranischer Blockadedrohung

Trotz Teherans Sperrankündigung passieren täglich Millionen Barrel Öl und LNG-Tanker die strategische Meerenge.

Trotz der jüngsten Ankündigung Irans, die Straße von Hormus erneut für den Schiffsverkehr zu sperren, fließen weiterhin signifikante Mengen an Öl und Flüssigerdgas (LNG) durch die strategisch wichtige Meerenge. Die Situation ist von widersprüchlichen Berichten geprägt: Während Teherans Revolutionsgarden die Schließung als Reaktion auf israelische Luftschläge im Libanon erklärten, zeigen Schiffsdaten und offizielle Stellen ein deutlich differenzierteres Bild.

Laut Berichten von Reuters und dem Datenanbieter Kpler steuerten am Montag vier von Katar kontrollierte LNG-Tanker die Straße von Hormus an – die „Wadi Al Sail", „Mekaines", „Al Sadd" und „Mesaimeer". Dies markiert das erste Mal seit Beginn des US-israelischen Konflikts mit dem Iran am 28. Februar, dass diese Schiffe die iranische Route nutzen. Gleichzeitig meldete Bloomberg, dass am Wochenende fünf voll beladene Öltanker mit einer Gesamtkapazität von acht Millionen Barrel die Meerenge passierten.

Millionen Barrel trotz Blockade

Die Datenlage verdeutlicht die Diskrepanz zwischen offizieller Rhetorik und operativer Realität. Das US-Zentralkommando berichtete, dass allein am Samstag 55 Handelsschiffe mit über 17 Millionen Barrel Öl die Straße passierten. Auch der Iran selbst scheint den Transit nicht vollständig zu unterbinden: Hamid Bovard, Leiter der National Iranian Oil Company, gab an, dass seit Montag über 25 Millionen Barrel iranischen Öls die virtuelle Blockadelinie passiert hätten.

Auffällig ist dabei die Taktik der sogenannten „dark voyages": Mehrere Tanker wählten eine Route entlang der omanischen Küste und schalteten anschließend ihre Transponder teilweise ab, um ihre Position zu verschleiern. Experten weisen darauf hin, dass eine unbekannte Anzahl an Schiffen die Meerenge weiterhin mit ausgeschalteten Transpondern befährt. Dies erschwert eine vollständige Lagebeurteilung erheblich.

Rückgang des Schiffsverkehrs, aber kein Stillstand

Die Auswirkungen auf den regionalen Schiffsverkehr sind dennoch spürbar. Kpler registrierte am Sonntag lediglich fünf Schiffe in der Meerenge, verglichen mit 26 am Vortag – ein deutlicher Rückgang. Akteure wie die Abu Dhabi National Oil Co (ADNOC) und die Kuwait Petroleum Corp reagieren mit Flexibilität: Sie bieten Rohöl mit Ladeoptionen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Meerenge an, um Käufern Planungssicherheit zu geben.

ADNOC-Tanker wie die „Al Hamra" und „Mubaraz" lieferten zudem erfolgreich Ladungen nach Indien aus, nachdem sie zuvor ebenfalls „dunkle" Fahrten absolviert hatten. Dies zeigt, dass der Energiehandel trotz der angespannten Lage weiterläuft – wenn auch unter erhöhtem Risiko und mit angepassten Routen.

Die geopolitische Lage bleibt volatil. Erst in der vergangenen Woche hatte der Iran eine faktische Blockade aufgehoben, nachdem eine Verlängerung des Waffenstillstands mit den USA um 60 Tage vereinbart worden war. Die erneute Drohung Teherans steht nun im Kontrast zu den anhaltenden Transporten und verdeutlicht, wie fragil die Situation für die globalen Energiemärkte bleibt. Für deutsche Verbraucher und Unternehmen, die auf Öl- und Gasimporte angewiesen sind, ist die Straße von Hormus eine der kritischsten Engstellen der weltweiten Energieversorgung.

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