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Trump wirbt in Michigan um Unterstützung der US-Arbeiterklasse

Bei einem GM-Werksbesuch in Michigan verteidigt Trump seine Zollpolitik – doch Umfragen und Jobzahlen zeichnen ein anderes Bild.

Trump wirbt in Michigan um Unterstützung der US-Arbeiterklasse

US-Präsident Donald Trump hat bei einem Besuch in einem General-Motors-Werk in Milford, Michigan, seine Zollpolitik als Erfolg für die amerikanische Arbeiterklasse dargestellt. Er betonte, seine „historischen Zölle" hätten eine Wiederbelebung der industriellen Kernlande Amerikas eingeleitet. Der Auftritt ist Teil seiner Bemühungen, vor den Zwischenwahlen im November die schwindende Unterstützung unter Arbeitern zurückzugewinnen.

„Über Jahrzehnte hinweg wurden die Automobilarbeiter und Hersteller dieses großartigen Bundesstaates von globalistischen Politikern und korrupten Interessengruppen verraten und verkauft, die zuließen, dass andere Länder Ihre Arbeitsplätze stahlen, Ihre Fabriken plünderten und die Kronjuwelen der amerikanischen Industrie raubten", sagte Trump vor einer lebhaften Menge im Mittleren Westen. Er fügte hinzu: „Aber jetzt hat Michigan nach langer Zeit endlich einen Präsidenten, der sich für die Automobilarbeiter in Michigan einsetzt und Amerika an die erste Stelle setzt."

Trump verwies auf Investitionen von GM, Ford, Hyundai und Toyota in amerikanische Standorte als Beleg dafür, dass seine Abgaben – darunter ein Zoll von 25 Prozent auf ausländische Autos und leichte Nutzfahrzeuge – Produktion und Arbeitsplätze zurück in die USA geholt hätten. „Ausländische Staaten und Unternehmen kamen herein und haben uns schlichtweg ausgeraubt", sagte er. „Aber jetzt ändert sich das alles, weil ich historische Zölle auf ausländische Produzenten und Hersteller erhoben habe."

Sinkende Umfragewerte und steigende Kosten

Die Realität hinter den Kulissen zeichnet jedoch ein deutlich nüchterneres Bild. Trumps Popularität unter den Arbeitern, die ihm 2024 zur Rückkehr ins Weiße Haus verhalfen, ist seit seinem Amtsantritt stark gesunken. Eine Umfrage von CBS-YouGov ergab, dass seine Unterstützung unter weißen Wählern ohne Hochschulabschluss von 63 Prozent Anfang 2025 auf 51 Prozent gefallen ist. In Bezug auf seinen Umgang mit der Wirtschaft sank die Zustimmung in derselben Gruppe sogar von 60 auf 45 Prozent.

Gleichzeitig spüren amerikanische Haushalte den Druck steigender Lebenshaltungskosten deutlich. Der durchschnittliche Benzinpreis ist auf 4,11 US-Dollar pro Gallone gestiegen – gegenüber 3,15 Dollar vor einem Jahr. Trumps militärischer Konflikt mit dem Iran hat die weltweiten Ölvorräte durch die Straße von Hormus eingeschränkt und damit maßgeblich zu diesem Anstieg beigetragen. Auch die Kreditkosten sind gestiegen: Die Zinsen für 30-jährige Hypotheken erreichten 6,58 Prozent.

Jobzahlen widersprechen Trumps Narrativ

Besonders brisant: Trotz der Rhetorik über Jobwachstum sind die Beschäftigungszahlen in der Automobilindustrie tatsächlich gesunken. Nach Angaben des US Bureau of Labor Statistics sank die Beschäftigung in der Herstellung von Kraftfahrzeugen und Teilen zwischen Juni 2025 und Juni 2026 um 2,2 Prozent.

Kritik kommt auch aus dem wirtschaftsliberalen Lager. Michael Strain, Ökonom am American Enterprise Institute, sagte: „Der Präsident hat versprochen, die amerikanische Industrie wiederzubeleben, und bis heute ist ihm das nicht gelungen." Strain ergänzte: „Die Zölle des Präsidenten haben die Kosten für Industrieunternehmen und Industriearbeiter erhöht. Keine noch so großen Reden am Pult oder energiegeladenen Kundgebungen werden die grundlegende wirtschaftliche Realität ändern, mit der diese Unternehmen und ihre Mitarbeiter konfrontiert sind."

Analysten betonen zudem, dass die US-Automobilindustrie weiterhin unter dem Druck von Zöllen, Lieferkettenunterbrechungen und Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem US-Mexiko-Kanada-Handelsabkommen leide. Dies verschärfe die Belastung für amerikanische Autobesitzer, die ohnehin bereits unter steigenden Kosten leiden.

Der Auftritt in Michigan ist für Trump politisch von zentraler Bedeutung: Der Bundesstaat gilt als wichtiger Swing State, und die Republikanische Partei ist darauf angewiesen, die Kontrolle über den Kongress bei den Zwischenwahlen im November zu behalten. Ob Trumps Botschaft bei den Arbeitern ankommt, dürfte angesichts der wirtschaftlichen Lage jedoch eine offene Frage bleiben.

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