Trumps Iran-Kehrtwende zeigt die Grenzen seines Verhandlungsstils
Trumps dramatischer Rückzug von Vernichtungsdrohungen gegen den Iran offenbart die wachsenden Risiken seines unberechenbaren Verhandlungsansatzes.

Donald Trump drohte dem Iran am Dienstagmorgen über soziale Medien mit der Auslöschung einer ganzen Zivilisation – und ruderte nur Stunden später zurück. Sein abrupter Kurswechsel, der in einem von Pakistan vermittelten Waffenstillstandsabkommen mündete, wirft grundlegende Fragen über die Wirksamkeit seines Verhandlungsstils auf. Kritiker bezeichnen das Muster spöttisch als „TACO" – „Trump always chickens out".
Der Waffenstillstand beendete vorläufig einen 40 Tage alten Konflikt, der den Nahen Osten erschüttert und die globalen Energiemärkte destabilisiert hatte. Trump verkündete das Abkommen nur zwei Stunden vor Ablauf seiner eigenen Frist an den Iran, die blockierte Straße von Hormus zu öffnen. In einem Social-Media-Post behauptete er, die USA hätten „bereits alle militärischen Ziele erreicht und übertroffen".
Analysten zeichnen ein nüchterneres Bild: Der Iran werde als dauerhaftes Problem für Washington aus dem Konflikt hervorgehen – militärisch geschwächt, aber mit einer noch härteren Führung, De-facto-Kontrolle über den lebenswichtigen Öltransportweg und einem verborgenen Vorrat an hochangereichertem Uran.
Experten: Trump in eigener Hyperbel gefangen
Jon Alterman vom renommierten Thinktank Center for Strategic and International Studies in Washington kommentierte die Situation scharf: „Der Präsident war in seiner eigenen Hyperbel gefangen. Er hätte die iranische Zivilisation nicht zerstören können, und die Kosten selbst für den bloßen Versuch wären massiv gewesen." Experten zufolge hätten Trumps Drohungen Kriegsverbrechen gleichkommen können.
Ein republikanischer Abgeordneter, der am Dienstagabend in Kontakt mit dem Weißen Haus stand, warnte zudem vor einem nachlassenden Überraschungseffekt: Gegner wie China und Russland hätten die Strategie längst durchschaut. „Der Überraschungseffekt lässt nach", sagte er mit Blick auf Trumps Angewohnheit, nach harten Drohungen Rückzieher zu machen.
Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, wies die Kritik zurück. Sie erklärte Reportern am Mittwoch, Trumps Wortwahl sei Teil seines „harten Verhandlungsstils" und die Welt solle „sein Wort sehr ernst nehmen".
Das Muster hinter den Kehrtwenden
Der Begriff „TACO" entstand vor etwa einem Jahr, als Trump angesichts von Verlusten am US-Aktienmarkt in Höhe von rund 6,5 Billionen US-Dollar innerhalb von vier Tagen die hohen Zölle zurücknahm, die er bei seiner „Liberation Day"-Veranstaltung angekündigt hatte. Einige Wochen später nahm er auch eine separate Reihe von Strafzöllen gegen China zurück. In beiden Fällen erholte sich der Aktienmarkt – den Trump häufig als Barometer seiner Leistung anführt – nach seinen Kehrtwenden massiv.
Am Mittwoch folgte der S&P 500 Index diesem Muster und stieg nach der Ankündigung des Waffenstillstands um 2,5 Prozent. Trumps Kurswechsel gegenüber dem Iran fiel zudem mit einem Anstieg der US-Benzinpreise und sinkenden Umfragewerten zusammen.
Analysten zufolge schien Trumps Ansatz zeitweise eine bewusste Strategie zu sein, wirkte in anderen Momenten jedoch planlos – wobei seine Berater im Dunkeln gelassen wurden und die Regierung nach Druck von den Finanzmärkten oder seiner politischen MAGA-Basis zurückruderte.
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Zur AktienanalyseNicht immer nur leere Drohungen
Trump hat in seiner zweiten Amtszeit jedoch auch einige Drohungen tatsächlich in die Tat umgesetzt. Nach einem massiven US-Flottenaufmarsch vor Venezuela und scharfen Warnungen führte eine Razzia von Spezialeinheiten im Januar zur Gefangennahme von Präsident Nicolas Maduro und einer US-freundlicheren Führung in Caracas.
Auch seine eskalierenden Drohungen gegen den Iran machte Trump wahr, als er sich am 28. Februar Israel beim Angriff auf die Islamische Republik anschloss. Während seine Fristen für einen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas im Gazakrieg Früchte trugen, blieben seine Ultimaten zur Entwaffnung der palästinensischen Militantengruppe hingegen ungehört.
Das Muster bleibt damit widersprüchlich: Trump rühmt sich seit seinen Tagen als Immobilienentwickler als Meisterverhandler. Doch einige Analysten warnen, dass er sich mit seinem Stil selbst in die Enge treiben und die Glaubwürdigkeit der USA auf der Weltbühne langfristig untergraben kann.


