US-Bundesstaaten klagen gegen neue Regeln für Hypotheken-Treuhandkonten
Zehn Generalstaatsanwälte wollen neue OCC-Vorschriften stoppen, die Zinszahlungen auf Hypotheken-Treuhandkonten für Millionen Eigenheimbesitzer gefährden.

Zehn US-Generalstaatsanwälte haben am Dienstag Klage eingereicht, um zwei neue Bundesvorschriften des Office of the Comptroller of the Currency (OCC) zu blockieren. Die Vorschriften erlauben es bestimmten Bankinstituten, einzelstaatliche Gesetze zu umgehen, die eine Verzinsung von Hypotheken-Treuhandkonten vorschreiben. Die Klage wurde vor einem US-Bezirksgericht in Oregon eingereicht und nennt das OCC sowie Comptroller Jonathan Gould als Beklagte.
Im Kern des Streits stehen sogenannte Treuhandkonten, die für viele Eigenheimbesitzer in den USA ein fester Bestandteil ihrer monatlichen Hypothekenzahlung sind. Neben Tilgung und Zinsen fließen dabei regelmäßig Beträge auf dieses Konto, von dem dann Grundsteuern, Wohngebäudeversicherung und gegebenenfalls eine Hypothekenversicherung bezahlt werden. Laut dem Dienstleister Lereta verfügen rund 80 Prozent aller Hypothekeninhaber in den USA über ein solches Treuhandkonto.
Was die neuen OCC-Vorschriften regeln
Das OCC erließ die beiden neuen Vorschriften im Mai 2025, sie traten am 18. Juni in Kraft. Eine der Regelungen kodifiziert die Befugnis von Nationalbanken und Bundessparkassen, die Bedingungen für Treuhandkonten selbst festzulegen – einschließlich der Frage, ob Zinsen gezahlt oder Gebühren erhoben werden. Die zweite Vorschrift stellt klar, dass Bundesrecht Vorrang vor Landesrecht hat, wenn es um die Flexibilität der vom OCC regulierten Banken bei der Gestaltung dieser Konten geht. Das OCC reagierte auf eine Bitte um Stellungnahme nicht.
Für die betroffenen Eigenheimbesitzer ist die finanzielle Dimension durchaus relevant. Da Grundsteuern und Versicherungsprämien in der Regel jährlich oder halbjährlich fällig werden, die monatlichen Einzahlungen jedoch kontinuierlich fließen, weisen Treuhandkonten laut der Klageschrift „das ganze Jahr über erhebliche Guthaben" auf. Die durchschnittliche jährliche Grundsteuerrechnung für die rund 87 Millionen eigenbewohnten Häuser in den USA belief sich laut einer Analyse der National Association of Homebuilders im Jahr 2024 auf 4.271 US-Dollar. Die durchschnittlichen jährlichen Kosten für die Wohngebäudeversicherung sollen laut dem Vergleichsportal Insurify.com bis Ende 2026 voraussichtlich 3.057 US-Dollar erreichen.
Zinsdifferenz kann Hunderte Dollar im Jahr ausmachen
Laut der Klageschrift gibt es 14 US-Bundesstaaten und Territorien, deren Gesetze eine Verzinsung von Treuhandguthaben vorschreiben. Die genaue Höhe der Zinsen variiert je nach Bundesstaat erheblich. In Rhode Island müssen Treuhandkonten denselben Zinssatz wie ein reguläres Sparkonto abwerfen. Maryland hingegen verpflichtet Kreditgeber zur Zahlung eines Zinssatzes, der sich an der Rendite einjähriger US-Staatsanleihen orientiert.
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Zur AktienanalyseDer Unterschied ist beträchtlich: Der durchschnittliche Zinssatz für herkömmliche Sparkonten liegt laut Bankrate bei 0,63 Prozent, während die Rendite einer einjährigen US-Staatsanleihe bei knapp unter 4 Prozent notiert. Zur Veranschaulichung: Bei einem Guthaben von 5.000 US-Dollar würde ein Zinssatz von 0,63 Prozent jährlich lediglich 31,50 US-Dollar einbringen. Bei einem Satz von 4 Prozent wären es hingegen rund 200 US-Dollar pro Jahr. Je nach Bundesstaat und Kreditgeber werden die Zinsen dem Konto gutgeschrieben oder direkt ausgezahlt – in einigen Fällen erhalten Eigenheimbesitzer dafür auch ein Steuerformular (1099-INT).
Die Klage der zehn Generalstaatsanwälte zielt darauf ab, die neuen OCC-Regelungen für ungültig erklären zu lassen und damit den Schutz der einzelstaatlichen Zinsgesetze für Eigenheimbesitzer zu erhalten. Für Millionen Amerikaner könnte der Ausgang dieses Rechtsstreits entscheiden, ob ihre Treuhandguthaben künftig noch verzinst werden oder nicht.


