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US-Jobbericht im Mai setzt Fed-Chef Warsh unter Druck

Neue Arbeitsmarktdaten rahmen Warshs erste geldpolitische Sitzung ein – während Inflation das zentrale Problem bleibt.

US-Jobbericht im Mai setzt Fed-Chef Warsh unter Druck

Der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht für Mai wird am Freitag veröffentlicht und liefert den Rahmen für eine richtungsweisende Debatte innerhalb der US-Notenbank Federal Reserve. Von Reuters befragte Ökonomen erwarten, dass US-Arbeitgeber im Mai 85.000 neue Stellen geschaffen haben – ein Rückgang gegenüber dem unerwartet starken Zuwachs von 115.000 im April. Die Arbeitslosenquote soll demnach unverändert bei 4,3 Prozent verbleiben.

Die Daten fallen in eine entscheidende Phase: Kevin Warsh, der Mitte Mai die Nachfolge des ehemaligen Fed-Vorsitzenden Jerome Powell antrat, leitet am 16. und 17. Juni seine erste geldpolitische Sitzung. Der Arbeitsmarktbericht sowie die am 10. Juni anstehenden Inflationsdaten werden maßgeblich bestimmen, mit welchem Rückenwind – oder Gegenwind – Warsh in diese Premiere geht.

Beschäftigungswachstum stabilisiert sich auf niedrigem Niveau

Das Beschäftigungswachstum in den USA hatte im Jahr 2025 einen schwachen Verlauf genommen: Im monatlichen Durchschnitt entstanden weniger als 10.000 neue Arbeitsplätze. Belastet wurde der Stellenaufbau durch die Unsicherheit über Importzölle, das harte Vorgehen der Trump-Regierung gegen Einwanderung sowie trübe wirtschaftliche Aussichten. In den ersten vier Monaten des Jahres 2026 erholte sich das Wachstum auf durchschnittlich 76.000 neue Stellen pro Monat.

Diese Zahl wäre in früheren Jahren als schwach eingestuft worden. Im Kontext der veränderten Einwanderungssituation reichte sie jedoch aus, um die Arbeitslosenquote weitgehend stabil zu halten. Gleichzeitig hat diese Entwicklung die Zinserwartungen verschoben – weg von weiteren Senkungen.

Fed-Gouverneur Waller schließt Zinserhöhungen nicht mehr aus

Fed-Gouverneur Christopher Waller brachte die veränderte Stimmung innerhalb der Notenbank deutlich auf den Punkt. „Ich kann Zinserhöhungen im weiteren Verlauf nicht mehr ausschließen, falls die Inflation nicht bald nachlässt", erklärte er im vergangenen Monat. Dies markiert eine klare Abkehr von seiner früheren Haltung: 2025 hatte Waller noch Zinssenkungen befürwortet, weil er sich um den Arbeitsmarkt sorgte.

Waller ergänzte, dass „jüngste Arbeitsmarktdaten zeigen, dass sich der Arbeitsmarkt offenbar stabilisiert und die Arbeitslosenquote ziemlich niedrig und stabil ist." Diese Einschätzung gewinnt unter den Fed-Vertretern zunehmend an Rückhalt und könnte bei Warshs erster Sitzung die Mehrheitsmeinung darstellen.

Inflation bleibt hartnäckig – IWF verschiebt Prognose

Das eigentliche Dilemma für Warsh liegt weniger im Arbeitsmarkt als in der anhaltend hohen Inflation. Diese scheint bei einem Prozentpunkt oder mehr über dem Fed-Zielwert von 2 Prozent festzustecken und steuert auf das sechste Jahr in Folge über diesem Niveau zu. Die Hartnäckigkeit des Preisdrucks lässt unter Warshs Kollegen die Sorge wachsen, dass die Glaubwürdigkeit der Zentralbank gefährdet sein könnte.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognose angepasst. Aufgrund der Auswirkungen des von den USA unterstützten Krieges mit dem Iran erwartet der IWF nun nicht mehr, dass die Inflation bis Mitte nächsten Jahres zum Fed-Zielwert zurückkehrt – sondern erst bis Ende 2027. „Wir haben die Rückkehr zum Zielwert also nun etwas weiter nach hinten verschoben", sagte IWF-Sprecherin Julie Kozack am Donnerstag. „Wir sehen durchaus Aufwärtsrisiken für die Inflation, was bedeutet, dass die geldpolitischen Maßnahmen der Fed mit Vorsicht voranschreiten und sorgfältig auf die eingehenden Daten abgestimmt werden müssen."

Warsh selbst hatte im Vorfeld seiner Nominierung durch Präsident Donald Trump argumentiert, dass die Zinsen sinken könnten, da die Politik des Präsidenten und die Verbreitung von Künstlicher Intelligenz zu höherer Produktivität, schnellerem Wachstum und sinkender Inflation führen würden. Die bisherigen Daten deuten jedoch in eine andere Richtung – und stellen Warshs Debüt an der Fed-Spitze vor eine schwierige Ausgangslage.

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