US Supreme Court lehnt Macy's Klage gegen NLRB-Entschädigungen ab
Der Oberste Gerichtshof der USA verweigert Macy's die Anfechtung einer Entscheidung, die den Einzelhändler zur Entschädigung entlassener Streikender verpflichtet.

Der Oberste Gerichtshof der USA hat am Montag den Antrag von Macy's abgewiesen, eine Entscheidung des National Labor Relations Board (NLRB) anzufechten. Die Behörde hatte den Einzelhändler verpflichtet, entlassene Mitarbeiter vollständig zu entschädigen. Damit scheitert Macy's mit dem Versuch, die Befugnisse der US-Arbeitsbehörde zur Anordnung solcher Maßnahmen einzuschränken.
Hintergrund des Falls ist ein Vorfall aus dem Jahr 2023: Während der Amtszeit des demokratischen Präsidenten Joe Biden entschied das NLRB, dass Macy's rechtswidrig gehandelt hatte. Der Einzelhändler hatte rund 60 gewerkschaftlich organisierte Bauingenieure in den Bundesstaaten Nevada und Kalifornien ausgesperrt und entlassen – und zwar nachdem diese einen Streik wegen festgefahrener Tarifverhandlungen beendet hatten. Zusätzlich wurde Macy's verpflichtet, Aushänge anzubringen, um die Belegschaft über ihre Rechte zu informieren.
Der Streit um die Reichweite der NLRB-Befugnisse
Das NLRB wies Macy's an, den betroffenen Arbeitnehmern alle durch die Entlassung entstandenen finanziellen Schäden zu ersetzen. Diese erweiterte Entschädigungspraxis geht auf eine Grundsatzentscheidung der Behörde aus dem Jahr 2022 zurück, die den Fall des Softwareunternehmens Thryv betraf. Darin kündigte das NLRB an, Arbeitgeber künftig zur Erstattung „direkter und vorhersehbarer" finanzieller Verluste zu verpflichten – etwa Kreditkartengebühren oder aus eigener Tasche gezahlte medizinische Kosten, die aus dem rechtswidrigen Verhalten eines Unternehmens resultieren.
Zuvor beschränkten sich die von der Behörde angeordneten finanziellen Entschädigungen bei unzulässigen Arbeitspraktiken auf entgangenen Lohn und Sozialleistungen. Eine demokratische Mehrheit im NLRB-Vorstand begründete die Ausweitung damit, dass die bisherige Praxis über Jahrzehnte hinweg Arbeitnehmer benachteiligt habe, deren Leben durch unrechtmäßige Disziplinarmaßnahmen oder Kündigungen erheblich beeinträchtigt werden kann.
Macy's hatte gegen das bestätigende Urteil einer Vorinstanz Berufung eingelegt und die Richter des Supreme Court aufgefordert, eine Uneinigkeit unter den Bundesberufungsgerichten zu klären. Das in San Francisco ansässige 9. US-Bundesberufungsgericht hatte der NLRB den nötigen Ermessensspielraum zugesprochen, um Entschädigungen zuzusprechen, die das öffentliche Interesse wahren und den Zustand vor dem Rechtsbruch wiederherstellen. Drei andere Bundesberufungsgerichte widersprachen dieser Auffassung jedoch und urteilten, der Kongress habe die Befugnisse der Behörde bewusst enger gefasst.
Verfassungsrechtliche Einwände und breite Unternehmenskoalition
Macy's argumentierte zudem, dass die erweiterten NLRB-Maßnahmen gegen das in der US-Verfassung verankerte Recht auf ein Schwurgerichtsverfahren verstoßen. Konkret geht es um die Frage, ob Geschworene – und nicht eine Regierungsbehörde – darüber entscheiden sollten, ob und in welcher Höhe Schadenersatz zu leisten ist. Die US-Handelskammer und weitere Lobbygruppen der Wirtschaft unterstützten Macy's in einem gemeinsamen Schriftsatz und drängten den Supreme Court, den Fall anzunehmen.
Macy's ist nicht allein: Dutzende Unternehmen haben die erweiterten Entschädigungsregelungen angefochten. Sie argumentieren, dass diese sich nicht von dem Schadenersatz unterscheiden, der üblicherweise in privaten Zivilprozessen gefordert wird – und damit den Zuständigkeitsbereich einer Verwaltungsbehörde überschreiten.
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Zur AktienanalysePolitischer Wandel unter Trump erwartet
Das NLRB steht derzeit unter erheblichem Druck. Die Behörde sieht sich in den USA mit Dutzenden Klagen konfrontiert, die ihre Struktur, ihre internen Durchsetzungsverfahren sowie den langjährigen Schutz gegen präsidiale Einflussnahme infrage stellen. Es wird erwartet, dass die vom republikanischen Präsidenten Donald Trump ernannten NLRB-Mitglieder das Thryv-Urteil sowie eine Reihe weiterer Entscheidungen aus der Biden-Ära, die Arbeitnehmer und Gewerkschaften begünstigten, aufheben werden.
Die Politik des NLRB neigt traditionell dazu, sich mit dem Wechsel der Präsidentschaftsadministrationen zu verschieben, wenn neue Ernannte der Partei des Präsidenten die Prioritäten neu setzen. Für deutsche Anleger und Beobachter des US-Arbeitsmarkts ist dieser Fall ein Indikator dafür, wie stark politische Machtwechsel in den USA die Rahmenbedingungen für Unternehmen und Gewerkschaften beeinflussen können.


