USA stoppen Nvidia-KI-Chip-Lieferungen an chinesische Firmen im Ausland
Das US-Handelsministerium schließt ein Schlupfloch, das chinesischen Unternehmen den Zugang zu Nvidia-Chips über Auslandstöchter ermöglichte.

Die USA haben eine neue Richtlinie erlassen, um zu verhindern, dass Nvidia-KI-Chips über Tochtergesellschaften chinesischer Unternehmen im Ausland beschafft werden. Das Bureau of Industry and Security (BIS) des US-Handelsministeriums veröffentlichte die Regelung am Sonntag auf seiner Website. Sie präzisiert, dass Lizenzanforderungen für fortschrittliche Chips auch dann gelten, wenn sich chinesische Unternehmen außerhalb Chinas befinden.
Der Hintergrund: Ein internes Papier, das in Washington kursierte und Reuters vorliegt, hatte auf das Schlupfloch aufmerksam gemacht. Das auf Freitag datierte Dokument ohne genannten Autor beschreibt, dass sich die „Schleusen still und heimlich geöffnet" haben. Demnach sollen chinesische KI-Firmen über Tochtergesellschaften an Standorten wie Malaysia Zugang zu den begehrten US-Chips erhalten haben – trotz der umfassenderen amerikanischen Bemühungen, chinesische Unternehmen von strategisch wichtigen Halbleitern abzuschneiden.
Eine Quelle aus der Chipindustrie mit fundierten Kenntnissen der Lieferkette schätzte die Zahl der so exportierten Chips auf Hunderttausende. Wie viele Chips in dem betreffenden Zeitraum tatsächlich geliefert wurden, ist offiziell jedoch unklar.
Wie das Schlupfloch entstand
Das Handelsministerium schuf die Lücke, als es im Mai 2025 ankündigte, die sogenannte „AI Diffusion"-Regel nicht durchzusetzen. Diese Regelung war in den letzten Tagen der Biden-Regierung erlassen worden und enthielt Lizenzanforderungen für den weltweiten Zugang zu KI-Chips. Die Trump-Administration ließ diese Anforderungen zunächst unangewendet – und öffnete damit unbeabsichtigt die Tür für mögliche Umgehungsgeschäfte.
Nvidia selbst erklärte, die neue Richtlinie ändere für das Unternehmen nichts. Ein Unternehmensvertreter betonte, dass Nvidia die Chips ohnehin nicht hätte versenden können, da das Handelsministerium dem Unternehmen in einem Schreiben ausdrücklich eine Lizenzpflicht auferlegt habe. AMD, ein weiterer bedeutender Hersteller von KI-Chips, reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme.
Das BIS betonte in einer Stellungnahme: „Das BIS hat eine Richtlinie herausgegeben, die die seit 2023 geltenden Anforderungen für Exportlizenzen präzisiert. Das BIS wird die Exportkontrollen weiterhin streng durchsetzen, um kritische amerikanische Technologie zu schützen."
Experten warnen vor verbleibenden Lücken
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Zur AktienanalyseChris McGuire, ehemaliger Beamter des US-Außenministeriums und Experte für Technologie und nationale Sicherheit, bezeichnete das Schlupfloch in einem Social-Media-Beitrag als „RIESIGES Problem". Er erklärte: „Chinesische Unternehmen haben diese Chips gekauft, sehr wahrscheinlich in großem Umfang." Konkret nannte er die Nvidia-Blackwell-Chips, die Übersee-Tochtergesellschaften chinesischer Unternehmen ohne Lizenz erwerben konnten.
McGuire warnte jedoch auch, dass die neue Richtlinie zwar das bekannte Schlupfloch schließe, aber ein weiteres offen lasse. So seien der taiwanische Chiphersteller TSMC und andere Auftragsfertiger weiterhin nicht verpflichtet, zusätzliche Sorgfaltsprüfungen durchzuführen, um sicherzustellen, dass von ihnen produzierte High-End-KI-Chips nicht an chinesische Tarnfirmen gelangen. Dieses Problem sei durch die neue Richtlinie nicht behoben worden. Ein TSMC-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.
Zusätzlich verlangt die neue Richtlinie von Rechenzentren nicht, die Nutzung bereits gelieferter Chips einzustellen oder die Wartung fortschrittlicher Computerkomponenten wie Server zu beenden. Damit bleiben bereits im Umlauf befindliche Chips von den neuen Regeln unberührt – ein Umstand, der die Reichweite der Maßnahme weiter einschränkt.


