Zugunglück in Südengland: Gleisinspektion kurz vor Entgleisung
Weniger als 24 Stunden vor der Entgleisung in East Sussex prüften Ingenieure die Gleise – zwei Personen wurden schwer verletzt.

Ein Zugunglück in East Sussex erschüttert das britische Bahnnetz: Am Donnerstagnachmittag entgleisten die letzten drei Waggons eines Zuges der Southern Railway auf dem Weg von London Victoria nach Eastbourne. Der Vorfall ereignete sich kurz vor dem Bahnhof Lewes, auf dem Streckenabschnitt zwischen Haywards Heath und Lewes. Die British Transport Police bestätigte zwei Schwerverletzte und 18 weitere Personen mit leichteren Verletzungen.
Besonders brisant: Southern Railway hatte bereits am Mittwoch um 17:46 Uhr auf der Plattform X gewarnt, dass auf dem betroffenen 11 Meilen langen Streckenabschnitt zwischen Lewes und Haywards Heath eine Sicherheitsüberprüfung der Gleise stattfinde. Das Unternehmen wies auf mögliche Verspätungen hin. Die Inspektion fand damit weniger als 24 Stunden vor dem Unglück statt.
Hitze als mögliche Ursache
Der Donnerstag war der bisher heißeste Tag der diesjährigen Hitzewelle im Vereinigten Königreich. Im Bereich der Unfallstelle lagen die Temperaturen deutlich über 35 °C. Schienentemperaturen können bei direkter Sonneneinstrahlung etwa 20 °C über der Lufttemperatur liegen – ein kritischer Faktor für die Gleissicherheit.
Unter solch extremen Bedingungen können sich verschweißte Gleise verformen und Entgleisungen verursachen. Besonders gefährlich: Gleise, die äußerlich in gutem Zustand erscheinen, können sich unter dem Gewicht eines Zuges plötzlich verbiegen. Bilder vom Unfallort zeigten erhebliche Verformungen der Gleise – ob diese die Ursache oder eine Folge der Entgleisung waren, blieb zunächst unklar.
Network Rail, der Eigentümer der britischen Schieneninfrastruktur, hatte bereits vor dem Unglückstag Warnungen herausgegeben, dass die Bedingungen heiß genug seien, um Schäden an den Gleisen zu verursachen. Das Unternehmen lehnte am Freitag jedoch jede Stellungnahme zur Inspektion vom Mittwoch, zum Zustand der Gleise in dem betroffenen Bereich sowie zur möglichen Überarbeitung seiner Sicherheitsprotokolle ab.
Ermittlungen laufen – Zugverkehr eingestellt
Inspektoren der Rail Accident Investigation Branch (RAIB) waren bereits am Donnerstagabend an der Unfallstelle. Eine offizielle Erklärung zur Unfallursache steht noch aus. Die Behörde kündigte an, nächste Woche über den Stand der Ermittlungen zu informieren. Der Zugverkehr in dem betroffenen Gebiet ist bis auf Weiteres eingestellt.
Sicherheitsinspektionen, die den Bahnbetrieb unterbrechen, werden laut Angaben nur dann angeordnet, wenn konkrete Hinweise auf ein mögliches Sicherheitsrisiko vorliegen. Solche Maßnahmen sind also kein Routinevorgang, sondern ein gezieltes Eingreifen bei Verdacht auf Mängel.
Am Freitagmorgen wurden mindestens zwei weitere Sicherheitsinspektionen im britischen Schienennetz durchgeführt. Chiltern Railways meldete gegen 8:30 Uhr eine Überprüfung zwischen Leamington Spa und Banbury, TransPennine Express um 9:45 Uhr Inspektionen zwischen York und Scarborough. Beide Strecken wurden später wieder freigegeben.
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Zur AktienanalyseBekannte Gefahr: Hitze und Gleisverformung
Das britische Schienennetz begegnet der Gefahr von Gleisverformungen durch mehrere Maßnahmen: Geschwindigkeitsbeschränkungen zur Entlastung betroffener Gleise, die Sperrung gefährdeter Abschnitte sowie das Weißanstreichen der Gleise, damit diese die Sonnenhitze besser reflektieren.
Ein vergleichbarer Vorfall ereignete sich bereits im Juni 2009, als ein Personenzug in der Nähe von Cummersdale in Cumbria auf einen verformten Gleisabschnitt traf und entgleiste. Damals wurde niemand verletzt. Eine anschließende Untersuchung führte das Unglück auf Wartungs- und Kommunikationsfehler zurück. Das aktuelle Unglück in East Sussex zeigt, dass Extremhitze eine ernstzunehmende Gefahr für die Schieneninfrastruktur darstellt – auch in einem Land, das solche Temperaturen bislang selten erlebt hat.


